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Essay: Exotismus im deutschen Film

In den letzten Jahren spielt im internationalen Kino der Krisenherd Afrika eine große Rolle. Verschiedene Genres bedienen sich des Schauplatzes, größtenteils um auf soziale wie politische Missstände aufmerksam zu machen, vielfach basierend auf wahren Ereignissen. Neben „Hotel Rwanda“ (Terry George; GB/IT, 2004) und der HBO-Produktion „Sometimes in April“ (Raoul Peck; F/USA, 2005), die sich intensiv mit dem Völkermord in Ruanda Anfang der 90er Jahre beschäftigen, seien vor allem der Politthriller „The Constant Gardener“ (Fernando Meirelles; USA/GB, 2005), der die Ausbeutung der Bevölkerung als Versuchskaninchen für die britische Pharmaindustrie beschreibt, das psychologisch-politische Drama „Catch a Fire“ (Phillip Noyce; F/GB/USA, 2006) über die Hetzjagd eines weißen afrikanischen Polizisten auf einen schwarzen Terroristen, den er selber erst durch seine Schikane erschaffen hat, und die Big Budget-Produktion „Blood Diamond“ (Edward Zwick; USA, 2006), die als düstere Actionfabel versuchte die Themen Kindersoldaten und Konfiktdiamanten ins Mainstream-Kino zu bringen, erwähnt. All diese Filme machen klar, dass die Zeiten einer Romantisierung im Stile von „Out of Africa“ (Sydney Pollack; USA, 1985) zumindest im englischsprachigen Film der Vergangenheit angehören. Doch wie sieht dies im aktuellen deutschen Film aus? Mit „Die weisse Massai“ (Hermine Huntgeburth; D, 2005) und noch stärker mit „Nirgendwo in Afrika“ (Caroline Link; D, 2001), der den Oscar als bester fremdsprachiger Film gewinnen konnte, liegen auch aus Deutschland zwei Filme vor, die sich möglichst sensibel ihren Themen und der Landesdarstellung widmen. Im deutschen Fernsehen hingegen herrscht das genaue Gegenteil: Das „Traumschiff“ bildet exotische Ziele ohne Sinn und Zweck ab und auch die Privatsender sind mit Schmonzetten wie „Der weisse Afrikaner“ sich natürlich nicht zu schade auf den fahrenden Zug aufzuspringen.

Hauptgegenstand dieser Untersuchung soll die Darstellung von Exotismen in der ARD-Großproduktion „Kein Himmel über Afrika“ sein. Die Wahl fiel auf diesen als Zweiteiler ausgestrahlten Film, da es sich hierbei um eine Produktion handelt, die durchaus den Anspruch hat sowohl ein intellektuelles, wie auch das am bloßen Effekt interessierte Publikum eines „Traumschiffs“ vor den Fernseher zu ziehen. Mit dem versierten Roland Suso Richter als Regisseur hat der Film auch hinter der Kamera einen Fachmann, der bereits bewiesen hat, dass er mit kritischen Stoffen umzugehen vermag.

Zu Vergleichszwecken wird der deutsche Kinofilm „La Habanera“ aus dem Jahr 1937 gewählt. Dieser spielt zwar nicht in Afrika, sondern in Puerto Rico, hat aber dasselbe Thema wie „Kein Himmel über Afrika“: ausländische Plantagenbesitzer und ihre Position zur Exotik ihres Landes. „La Habanera“ ist eine der letzten Produktionen der UFA vor dem Zweiten Weltkrieg, was die Vermutung nahe legt, dass das Thema im nationalsozialistischen Deutschland entsprechend angepasst präsentiert wurde. Andererseits stand mit dem UFA-Profi Detlef Sierck ein Mann hinter der Kamera, dem die Nazis ein Greul waren.

La Habanera (1937)

1927 macht die junge Schwedin Astrée, eindeutig eine Frau der besten Gesellschaft, mit ihrer Tante Urlaub in Puerto Rico. Hier gibt sie schließlich dem Drängen des reichen Don Pedro nach, bleibt auf der Insel und heiratet den Großgrundbesitzer. Die Verzauberung durch das Land weicht aber bald der Realität, Astrées Paradies wird zur Hölle. Ihr Ehemann erweist sich als Tyrann, sie verträgt das Klima nicht. Zehn Jahre später, mittlerweile Mutter eines wachen blonden Kindes, plant sie ihre Flucht zurück nach Schweden.
Puerto Rico wird seit Jahren von einer tödlichen Grippekrankheit geplagt, die Inselregierung, die von Don Pedro kontrolliert wird, tut aus wirtschaftlichen Gründen jedoch nichts dagegen – man hat Angst die landwirtschaftlichen Erzeugnisse nicht mehr ans Festland verkaufen zu können, wenn Details der Krankheit bekannt werden. Doch der wackere schwedische Arzt Sven Nagel und sein brasilianischer Partner Luis Gomez wollen der Krankheit auf den Grund gehen. Obwohl Regierungsbeamte ihnen immer wieder Steine in den Weg werfen gelangen die beiden schließlich an die Blutprobe eines Infizierten und beginnen zu forschen.
Don Pedro plant sie von der Insel werfen zu lassen, nicht nur aus Angst um seine wirtschaftliche Stellung, sondern weil Nagel auch die Jugendliebe seiner Ehefrau ist. Er lädt die beiden Männer zu einem Fest ein, in der Absicht in der Zwischenzeit ihre Zimmer durchsuchen, ihre Arbeitsgeräte vernichten und sie schließlich verhaften zu lassen. Don Pedro ahnt nicht, dass es den Ärzten in kürzester Zeit gelungen ist ein Heilmittel gegen die Grippe zu finden – mit der Durchführung seines Auftrages wird dieses jedoch zerstört. Während des Festes gesteht Nagel Astrée nicht nur, dass er sie noch immer liebt und wird von dieser gebeten ihr bei der Flucht mit dem Kind zu helfen, es wird auch offenbar, dass Don Pedro selber an der gefährlichen Krankheit leidet, die ihn schließlich in einen komatösen Zustand versetzt. Don Pedro stirbt, Nagel fährt mit Astrée und ihrem Sohn zurück nach Schweden und aus Don Pedros riesigem Besitz wird ein Altenheim.

Das wesentliche Merkmal des Films ist die „Habanera“, die titelgebende Melodie, die sich quer durch den Film zieht. Zu den karibischen Klängen entwickelt sich ein romantisches Liebeslied über Sehnsucht und Herzschmerz, hier natürlich in deutscher Sprache mehrfach vorgetragen (Sprachbarrieren existieren zwischen den Puertoricanern, den Schweden und dem Brasilianer eh nicht), meistens von UFA-Star Zarah Leander, deren Beliebtheit auch größtenteils auf ihre eigenes exotische Ausstrahlung zurückzuführen ist. Die stattliche blonde Schwedin stand in völligem Gegensatz zu den netten deutschen Schauspielerinnen jener Zeit, die eher als adrettes Beiwerk dienten, für eine Nebenrolle zeigte Leander mit ihrer dominierend-sinnlichen Art eine zu großes Leinwandpräsenz.
Die „Habanera“ wird zum Sinnbild von allem Positivem, dass die Hauptfigur Astrée in Puerto Rico zu Anfang sieht. In sehr detailierten Aufnahmen werden Musikanten, Tänzerinnen und Sänger in den Szenen, in denen die „Habanera“ erklingt, gezeigt. Pure Romantik und Sinneslust sollen diese fröhlichen Menschen darstellen, dass es sich natürlich komplett um Komparsen handelt wird dem Publikum nicht bewusst.
Obwohl Siercks Film natürlich keine reale Exotismen abbildet, sondern diese eher den Klischeevorstellungen des Drehbuchautoren Gerhard Menzel entspringen, so versucht der Film doch recht umfangreich auf seine exotischen Themen einzugehen und diese nicht auszubeuten. Auffällig ist bereits zu Beginn, dass es in dieser ur-deutschen Produktion keine deutschen Figuren gibt. Zarah Leander ist die einzige Darstellerin, die ihre eigene Nationalität wiedergibt. Durch die Bank weg sind alle Rollen mit deutschen Schauspielerin besetzt, selbst die Komparsen sind im besten Fall Spanier, da Sierck die Außenaufnahmen auf Teneriffa anfertigen ließ – weniger weil ihm die Kulisse ja so wie Puerto Rico vorkam, sondern weil er auf diesem Weg seine jüdische Frau aus Deutschland herausschmuggeln konnte (er selber kehrte nach Deutschland zurück, stellte den Film noch fertig und floh dann über Frankreich nach Amerika, wo er als Douglas Sirk in den 50er Jahren weltberühmt wurde und einige der wichtigsten Hollywood-Melodramen jener Epoche schuf). Dadurch haftet dem Film natürlich auch der typische Charme – manch einer würde es auch Mief nennen – der UFA-Produktionen an. Das Ensemble gibt sich keine große Mühe exotisch zu wirken, nur Ferdinand Marian, ein Schauspieler mit österreichischen Wurzeln, gelingt es seiner Figur Don Pedro als den einerseits wilden, störrischen, andererseits aber auch kalten, zu Emotionen nicht fähigen Kerl glaubwürdig zu präsentieren, dem die Schwedin Astrée in Verbindung mit dem sonnigen Puerto Rico und dem bewegenden „Habanera“ verfallen muss.
Folklore ist ein wesentlicher Bestandteil von Siercks Inszenierung. Kann er Produktions-bedingt nicht durch Landschaftsaufnahmen oder Landesarchitektur bestechen, so legt er zumindest viel Wert darauf Exotik über seine Volksdarstellung und vor allem ihre Kleider zu transportieren – auch wenn weniger gute Recherche als eher Phantasie dieser zu Grunde liegt.
In seinem Film findet dann auch die Umkehrung des Exotismus von Puerto Rico statt: als die Insel längst für Astrée zum Gefängnis geworden ist, da träumt sie sich zurück nach Schweden. Und auch für ihr Kind, dass sich so von ihren Erzählungen beeinflusst sieht, wird es zum Lebenstraum einmal im schönen schwedischen Schnee Schlittenfahren zu können.
Ist Siercks Einstellung seine „Ausländer“ durchaus als lebendiges und vielseitiges Volk zu zeichnen gerade im Kontext seiner Entstehungszeit äußerst positiv zu betrachten, so stößt natürlich auf, dass die zu Anfang als ignorante und rabiat zu betrachtende Tante Ana am Ende Recht behält. Sie sieht in den Puerto Ricanern ein Volk von unzivilisierten Wilden, hasst die Musik und die Freude, die von diesen verströmt wird und findet die Volksriten wie den Stierkampf barbarisch. Auch vom charmanten und reichen Don Pedro hält sie auf Grund seiner Volkszugehörigkeit nichts, als Hochzeitsgeschenk bekommt Astrée von ihr das Angebot, dass sie die Scheidungskosten bezahle.
Am Ende des Films teilt auch Astrée diese Vorstellung, nachdem sie die Schattenseiten des Lebens im „Paradies“ kennen gelernt und ihr Ehemann sich als nur nach außen kultivierter Despot entpuppt hat. Die „Habanera“ kann sie am Ende nicht mehr hören, hat nach eigenen Aussagen diese sogar hassen gelernt.
Diese zum Schluss sehr undifferenzierte, einseitige Darstellung seiner Exotismen erscheint recht ärgerlich, war aber wohl nötig, damit der Film die nationalsozialistische Zensur ohne Probleme passieren konnte. Einen grotesken Kommentar ließ sich Sierck jedoch nicht nehmen, so ist die Figur des brasilianischen Arztes Luis Gomez, der als leicht tollpatschiger Sidekick des Schönlings Sven Nagel herhalten muss, mit seiner Statur, seinem Scheitel und dem schmalen Oberlippenbart zumindest optisch sehr deutlich an Adolf Hitler angelehnt.

Kein Himmel über Afrika (2004)

Catherine, Tochter eines deutschen Ingenieurs, ist im Herzen der afrikanischen Steppe aufgewachsen, kennt Land und Leute und respektiert dies. Ihre Ehe mit dem italienischen Jäger Roberto ist jedoch unglücklich, da sie mit der Arbeit ihres Mannes und seiner Einstellung gegenüber dem Land nichts anfangen kann. Für ihn besteht die schwarze Bevölkerung immer noch aus Sklaven, auch wenn er sie für ihre Dienste bezahlt. Als Roberto von einem Tiger schwer verletzt wird, ist es nur Catherines resolutem Auftreten und dem Auftauchen des neuseeländischen Piloten Gordon Coburn zu verdanken, dass Roberto gerettet werden kann. Eine weitere Folge ist jedoch, dass Catherine und der emotionell kaputte Gordon sich in einander verlieben. Catherine verlässt ihren Mann, kauft sich mit Gordon eine heruntergekommene Farm und beginnt mit ihm ein neues Leben. Die Blumenernte verläuft erfolgreich, sie wird schwanger, das Leben in Afrika ist schön. Bis zu der Nacht in der Gordon einen Fehler macht: während eines Transportfluges fällt die Elektrik seiner Maschine aus, er muss auf einem kleinen Flughafen im Schatten eines normalen Flugzeuges notlanden – wobei zwei kleine Stammeskinder, die sich beim Entladen der Maschine etwas dazu verdienen wollen, in seinen Propeller geraten und sterben. Von Schuldgefühlen gepeinigt verfällt Gordon immer mehr dem Alkohol und wird zum psychischen Wrack.
Sechs Jahre später, die Farm steht kurz vor dem Bankrott: Gordon verbringt seine Abende lieber mit Saufgelagen und Schießübungen mit dem verbitterten Larry, Besitzer einer Schlangenfarm. Er betrügt Catherine und neigt zur Gewalttätigkeit. Für Catherine ist ihr traumhaftes Afrika längst zur Hölle geworden, womit sie nicht alleine steht. Ihre beste Freundin will das Land aus gebrochenem Herz verlassen, wobei Catherine nichts von der lesbischen Neigung ihrer Freundin und deren Liebe zu ihr ahnt. Eines Abends kommt es zur Auseinandersetzung: Catherine will endgültig ihren Mann verlassen, dieser sieht seine Männlichkeit zerstört und kennt nur noch einen Ausweg aus seiner Scham und seinem Schuldkomplex. In Gegenwart seiner Frau erschießt sich Gordon.
Gordons herrischer Vater, der von seinen Kindern nur ‚Sir’ genannt wird, reist mit der Familie an. Für ihn ist es nicht glaubwürdig, dass sein Sohn Selbstmord begangen hat, es besudelt die Familienehre. Mit Unterstützung von Larry beschuldigt er Catherine des Mordes und korrumpiert die afrikanische Justiz, die ansonsten keinen Grund findet ihre Geschichte anzuzweifeln, soweit, dass auch Anklage erhoben wird. Catherine landet im Gefängnis und der Prozess könnte ihr die Todesstrafe bringen. Nur ihrem Ex-Mann Roberto, der mittlerweile handzahm geworden ist und seine ehemalige Frau noch immer liebt, verdankt sie es schließlich, dass die Bestechung mehrerer Zeugen durch Gordons Familie herauskommt und Catherine frei gesprochen wird. Am Ende fährt sie mit ihrem Kind und Roberto wieder hinaus in die Steppe, ein neuer Traum von Afrika (oder auch eine alte Leier noch mal) scheint zu beginnen.

Der Marburger Roland Suso Richter ist der Prototyp dessen, was man einen Regisseur mit Potential der neusten Generation deutscher Filmemacher nennen kann. Mit „14 Tage lebenslänglich“ inszenierte er einen Kinothriller, der deutlich an amerikanischen Stilmustern orientiert war und über weite Strecken sogar funktionierte – und das in einer Zeit, als aus Deutschland an kommerziell verwertbarem nur Beziehungskomödien kamen. Richters weitere Kinoarbeiten, das soziale Drama „Eine Handvoll Gras“ und die fiktive Darstellung eines Prozesses gegen KZ-Arzt Josef Mengele im modernen Berlin in der spannungsreichen wie philosophischen Urteilsfindung „Nichts als die Wahrheit“, waren zwar keine großen Kinoerfolge, kamen aber bei der Kritik sehr gut weg. Der Versuch mit dem starbesetzten Psychothriller „The I Inside“ (USA, 2003) in Amerika Fuß zu fassen floppte völlig, so dass Richter heute wie vor seinen drei Kinofilmen sich beim deutschen Fernsehen anscheinend recht heimisch fühlt. Vor allem die Zusammenarbeit mit dem Charakterdarsteller Götz George, der auch als Mengele in „Nichts als die Wahrheit“ brillierte, war äußerst fruchtbar.
„Kein Himmel über Afrika“ war für Richter jedoch nicht mehr als eine Auftragsarbeit, was im Endeffekt auch das Problem des Films ist, der auf die Sichtweise seiner Hauptdarstellerin und gleichzeitig Produzentin Veronica Ferres ausgelegt erscheint. Denn auch am Drehbuch saß mit Richard Reitinger (der z.B. mit Peter Handke und Wim Wenders zusammen das Script zu „Der Himmel über Berlin“ (BRD/F, 1987) geschrieben hatte) jemand, der eigentlich weiß wie man Klischees und Kitsch umschifft, also durchaus in der Lage wäre aus einem derartigen Stoff erzählerisch das Potential abzuschöpfen, das er durchaus bietet.
Basieren tut der Film auf dem gleichnamigen Roman von Kerstin Cameron, einer Deutschen, die in Afrika aufwuchs, sich in einen gewalttätigen und trunksüchtigen Neuseeländer verliebte und diesen heiratete. Die Ehe war unglücklich und endete damit, dass der Mann sich im Rausch erschoss, ob mit Absicht blieb ungeklärt. Zwei Jahre später strengte die Familie des Mannes einen Mordprozess gegen Cameron an, was die Frau einige Monate ins Gefängnis brachte. Am Ende wurde sie frei gesprochen und schrieb ihre Geschichte auf, die sich hauptsächlich auf die schlimme Zeit im unkultivierten Gefängnis beschränkte. In der Kritik warf man der Autorin oftmals ihre naive Weltsicht vor und dass sie von dem Land, in dem sie doch so lange gelebt hatte, eigentlich keine Ahnung hatte.
Die Schauspielerin Veronica Ferres machte aus dem Grundgerüst dann ein recht schmalziges Stück großer oberflächlicher Gefühle, in dem Glauben sich so eine große, aussagekräftige Rolle zu schaffen.
„Kein Himmel über Afrika“ besitzt eine ganze Reihe von Naturaufnahmen, die aber einfach nur zur verträumten Darstellung des Landes dienen. Eine Verortung der Gegend findet kaum statt, soziale und wirtschaftliche Probleme werden außen vor gelassen oder beschränken sich nur auf die weiße Bevölkerung. Die schwarzen Bewohner dienen mehr zur Staffage, ihre Statistenhaftigkeit bemerkt man besonders stark in der Endsequenz, in der Catherine das Gerichtsgebäude verlässt und davor viele Menschen, hauptsächlich schwarzer Hautfarbe, ihren Freispruch bejubeln. Wer diese Menschen sind und warum sie das überhaupt tun wird nicht erläutert.
Die Berührungen mit der schwarzen Bevölkerung beschränken sich auf kurze Szenen mit dem Personal von Catherine, vor allem mit ihrer Köchin, die zur Freundin wird, ohne dass diese Beziehung Vertiefung findet, im Gegensatz zu denen zu ihren beiden weißen Freundinnen, der einen, die später die Geliebte ihres Mannes wird und zu der anderen, die sie selbst im Geheimen begehrt. In einem Abschnitt des Films fährt Catherine hinaus zu einem kleinen Dorf, wo noch nach Tradition gelebt wird. Von den Stammesältesten erfährt sie erst von dem Flugzeugunfall und den toten Kindern. Diese fordern als Wiedergutmachung ein Dutzend Kühe von ihr. Dieser Vorgang findet keinerlei weitere Erklärung und lässt dadurch die Ureinwohner sehr kalt erscheinen. Eine nähere Erklärung der Kultur oder auch des mehrfach auftauchenden Begriffes „Massai“ findet nicht statt. Innerhalb dieser Szenen wird sehr deutlich, dass der Film – oder vielleicht auch seine bestimmende Produzentin – nicht interessiert ist hier auch nur einen Funken Lehrfernsehen zu vermitteln, sondern mehr den seichten Effekt vorzieht. Afrika ist nur eine Kulisse und seine Bewohner die Marionetten, die in ihr tanzen müssen.
Auch besetzungstechnisch überzeugt der Film nicht. Will Ferres hier eine starke Frau spielen, die ihren Weg (mal wieder) geht, so wirkt sie doch selber als zwar attraktives, aber unpassendes blondes Geschöpf im reinen weißen Blüschen in der staubigen Kulisse eher fehlplaziert und damit als der eigentliche Exotismus. Wem dank des Kinos Afrika heute nicht mehr wirklich fremd erscheint, der wird Ferres hier als störendes Objekt bemerken. Aber auch das übrige Ensemble will nicht recht passen, was auch daran liegt, dass hier keine Kongruenz der Nationalitäten von Filmfigur und Darsteller vorliegt. Als neuseeländischer Pilot Gordon agiert Jean-Hugues Anglade, der Star des anspruchsvollen französischen Actionkinos der 80er Jahre, der vor allem mit den Werken Luc Bessons zu mittlerweile verblasstem Weltruhm gelangt ist. In der Rolle des ausgebrannten afrikanischen Schlangenfarmbesitzers Larry, dessen Leben nur noch aus Alkohol und Waffen besteht, agiert ein nicht gerade lustvoller Götz George, dem anscheinend selber klar ist, dass er in dieser Rolle nichts zu suchen hat.
Charaktere und Situationen des Films bleiben unglaubwürdig, Emotionen bleiben oberflächlich. Übrig bleiben zwar ein paar schöne, aber nichts sagende Bilder, die mit Abschalten des TVs natürlich wieder vergessen sind – womit diese Produktion zeigt, dass sie lieber auf „Traumschiff“-Pfaden wandert, als sich am titelähnlichen Oscargewinner zu orientieren.

Fazit:
In den verschiedenen Künsten ist im Laufe der Jahrzehnte die Ansicht des Exotischen als etwas Wildem und Unkultiviertem eine immer stärker werdende Differenzierung gefolgt. Im Vorfeld war zu vermuten, dass eine aktuelle TV-Produktion, auch wenn sie für ein Massenpublikum gedacht ist, weit weniger auf Klischees und Vorurteile, dafür aber stärker auf ein Interesse an der Kultur setzen müsste, als eine Produktion der 30er Jahre, die unter dem Einfluss der Nationalsozialisten entstand. Dass diese Vermutung sich nun nicht bestätigt hat bedeutet nicht, dass dies grundsätzlich so war, hätte die Filmzensur der Nazis „La Habarena“ genauer durchleuchtet und nicht nur als harmloses Starvehikel für Zarah Leander gesehen, dann wäre hier mit Sicherheit eine ideologische Anpassung in vielen Punkten erfolgt. Aber es zeigt durchaus, dass auch heute noch für das Unterhaltungsfernsehen Filme entstehen, deren Niveau von dem weit unterschreiten, was zumindest in der Theorie wesentlich naiver (was „La Habanera“ auf Grund seiner Fantasie-Exotismen im Endeffekt ist) ist.

[srs]