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Das Phantom der Oper

(Il Fantasma Dell´Opera; IT/UNG, 1998)

Vier Stockwerke liegen unter der Pariser Oper. Vier Stockwerke, arg verwinkelt, unerschlossen, die Katakomben - wer sich hierhin verirrt wird nie wieder hinaus finden. Dies ist das Reich des Phantoms, so sagt es jedenfalls die Legende, ein Ammenmärchen um Kinder zu erschrecken. Oder doch nicht? Es ist 1787 und die Pariser Oper blüht in voller Pracht. Derzeit arbeitet man an der musikalischen Fassung von "Romeo und Julia" und konnte dafür die arrogante Italienerin Carlotta Altieri (Nadia Rinaldi) gewinnen. Doch ihre Zweitbesetzung, die schöne Christine Daae (Asia Argento) sitzt ihr arg im Nacken, denn sie singt auch besser als die fette Carlotta. Dass immer wieder Menschen in den Gemäuern der Oper verschwinden scheint niemanden zu stören, schließlich ist es nur unteres Volk, die Arbeiter, die den Betrieb aufrecht erhalten und ersetzbar sind. Doch dann sterben die ersten Funktionäre der Oper auf grausame Art. Das Phantom (Julian Sands) ist heraufgekommen, das Märchen vom ausgesetzten Kind, dass von Ratten aufgezogen wurde und mit dem Bösen in Verbindung steht, stimmt also doch. Und das Phantom hat ein Ziel, es will Christine, seine große Liebe. Für sie würde er alles tun, und so beginnt er reihenweise Menschen abzuschlachten um sie endlich in die Hauptrolle zu hieven. Ein Dorn ist ihm dabei auch der Baron Raoul De Chagny (Andrea Di Stefano), schließlich liebt auch dieser Christine. Dank seiner Kräfte gelingt es dem Phantom von Christine Besitz zu nehmen, seine Gedanken werden zu ihren und so treibt es sie bald hinunter in die Katakomben...

Gaston Lerouxs Roman "Das Phantom der Oper" gehört neben "Dr Jekyll und Mr Hyde" wohl zu den beliebtesten klassischen Stoffen der Filmgeschichte - anders als bei dem doppelgesichtigen Arzt sind jedoch aus der Geschichte um das Phantom nur wenige gelungene Leinwand-Versionen entstanden. Eine der schlimmsten hat Italiens Horror-Virtuose Dario Argento abgeliefert. Seine Fassung vom Phantom ist nur als eines zu bezeichnen: dumm. Basierend auf einem Drehbuch, dass der populäre Schreiber Gerard Brach ("Der Bär") vor seinem Tod 1987 schrieb, baute Argento seinen Film auf - genutzt hat es nichts. Dabei hatte Argento doch hier alle Vorteile auf seiner Seite, schließlich ist dies der erste seiner Stoffe, der nicht direkt aus seinem Hirn entsprungen ist und deswegen nicht mit den Argento-typischen Problemen, guten Dialogen, ausgereiften Charakteren und einer glaubhaften Plot-Auflösung, zu kämpfen hat. Anscheinend brachte dies Argento jedoch noch mehr in die Zwickmühle, nur grob greift er auf die Vorlage zurück, ansonsten züchtet er seine eigene Geschichte mit miesen Dialogen, grauenhaften Charakteren und einer schwachsinnigen Plot-Auflösung, die noch unverzeihbarer ist als seine bisherigen dümmlichen Showdowns in seinen Slasher-Krimis. Für seine grauenhaft guten Kompositionen aus Blut und Bildoptik bekannt ist Argento eigentlich prädestiniert für das, was er aus dem "Phantom der Oper" machen wollte, eine zwar klassische Adaption, die jedoch konsequent blutrünstig ist. Anders als in den meisten seiner Filmen wirken Argentos Splattereffekte aber völlig daneben und unnötig. Abgeschlagene Häupter, aufgerissene Brustkörbe, abgebissene Zungen, aufgespießte Knechte - dafür, dass der Film eines der wenigen Argento-Werke ist, das nicht auf dem Index steht, gibt er sich extrem blutrünstig und, auch für Argento eher ungewöhnlich, ekelerregend. Vermischt werden die Brutalitäten mit sehr peinlichen Darstellersequenzen, die schnell Argentos eigentlichen Fehler klar werden lassen: er nimmt seine Vorlage nicht ernst, benutzt sie nur als Mittel zum Zweck, weil ihm anscheinend nichts besseres einfiel. Auch seine Besetzung ist komplett fehl besetzt. Als unbarmherziges-traniges Phantom gibt Julian Sands eine der schlechtesten Vorstellungen seiner Schauspielkarriere, die doch einst so vielversprechend begann. Mit wehenden blonden Haaren und Ledercape wirkt er eher wie die Hippie-Fassung von Batman, als wie ein undurchsichtiger diabolischer Schurke und Anti-Held, zu dem das Phantom in den letzten zehn Minuten noch schnell gemacht wird um mit dem Holzhammer dem Stoff noch etwas Tragik einzuimpfen. Andrea Di Stefano dümpelt dümmlich durch die Szenerie und auch Argento-Tochter Asia spielt platt und schafft nicht mal wirklich gut auszusehen.
Hirnlos vermengt Argento die Story vom rachedurstigen Phantom mit unlogischem übersinnlichen Kindergarten-Zauber und einigen Softcore-mäßig inszenierten Sexsequenzen, für die ihm selbst die eigene Tochter nicht zu schade ist. Sämtliche Chancen bleiben ungenutzt, dabei sorgt die ausgereifte Kameraführung sogar für einiges an Atmosphäre und die detailverliebte Ausstattung kann beeindrucken, auch wenn die Katakomben unter der Oper eher wie die Behausung des ersten Höhlenmenschen wirken. Der Tiefpunkt in der Karriere des Italieners ist fraglos dieser Film - und bleibt es hoffentlich auch. Argento, was hast Du dir bloß dabei gedacht?

[srs]