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Joyride - Spritztour

(Joy Ride; USA, 2001)

Sind sind völlig unterschiedlich und trotzdem sich innerlich ziemlich ähnlich. Bei Lewis Thomas (Paul Walker) sitzt nur der "Ich trau mich nicht"-Faktor wesentlich höher als wie bei seinem nichtsnutzigen Bruder Fuller (Steve Zahn). Während Lewis fröhlich studiert zieht Fuller durch das Land - und gerät immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Dies sorgt auch für ein plötzliches Wiedersehen der beiden Brüder nach über fünfjähriger Trennung. Fuller sitzt im Knast von Salt Lake City und Lewis ist auf dem Weg nach Hause. Eigentlich wollte er nur seine Jugendliebe Vanna (Leelee Sobieski) abholen und hat extra um sie zu beeindrucken sich ein Auto gekauft. Auf dem Weg zu Vanna ersteht Fuller an einer Tankstelle ein altes CB-Funkgerät, seine Idee, dadurch Polizeistreifen zu entgehen findet bei Lewis anklang, die Trucker aber etwas zu veräppeln nicht - anfangs. Erst mal in Fahrt macht Lewis unter dem weiblichen Tarnnamen "Zuckerstange" den mürrischen Truck Driver "Rostiger Nagel" an, der auch sofort auf das Geplänkel einsteigt. Als es dunkel wird machen die beiden Stop in einem Motel, wo Fuller von einem anderen Gast nicht sehr freundlich begrüßt wird. Um diesem einen Schrecken einzujagen bestellt "Zuckerstange" den "Rostigen Nagel" um Mitternacht in das Motel und gibt die Zimmernummer von Fullers neuem Hassobjekt an. Am nächsten Morgen kommt jedoch das böse Erwachen. "Rostiger Nagel" war da und hat die vermeintliche "Zuckerstange" übelst zugerichtet. Fuller und Lewis versuchen sich mit schlechtem Gewissen abzusetzen, doch bald taucht der anscheinend durchgedrehte Fahrer wieder auf, wissend, dass ihm ein Streich gespielt wurde. Alles Flehen und Betteln hat keinen Sinn, "Rostiger Nagel" will nun mit ihnen spielen. Als Vanna schließlich zu den beiden hinzustößt kommt dem Psychopathen eine neue Idee, schließlich ist nun eine reale "Zuckerstange" mit im Spiel...

Die Idee ist nicht neu: ganz normale Menschen werden auf den endlosen amerikanischen Highways in ihrem abgewrackten Auto durch Hitze und Staub von einem gesichtslosen LKW-Fahrer verfolgt. Steven Spielberg erschuf mit "Duell" einst wohl den Ur-Vater dieses Psycho-Actionsubgenres, so ist es nicht verwunderlich, dass John Dahls Thriller "Joyride" diesen durchaus imitiert - und mit neumodischen Details anfüllt. Seine Charaktere sind nicht so langweilig wie Spielbergs Vertreter, dafür aber sehr klischeehaft. Zwei Brüder und eine Frau, der eine Typ ein überdrehter Tunichtgut, der andere ein zurückhaltender Streber, und das Mädel ein etwas undurchschaubarer, aber nicht wirklich interessanter Lolita-Verschnitt. Die männlichen Rollen sind passend besetzt, die weibliche unterliegt dem konventionellen Drehbuch. Steve Zahn, sonst doch eher der reine Komiker, reizt seine Rolle aus und beherrscht die Szenerie, Paul Walker unterliegt, wie auch vom Drehbuch vorgesehen, und bleibt blaß wie er nun mal ist in seinem Schatten - obwohl über Zahn dank seiner Rolle als Anti-Held die ganze Zeit doch der Hauch des Todes schwebt, auch weil er sich an die Beinah-Freundin seines Bruders ranmachen will und weil in solchen Filmen einfach jemand von den Helden normalerweise sterben muss. Leelee Sobieski, eigentlich recht talentierter Youngster, wird hier nicht gefordert, mehr als Teenie-Sex darf sie nicht verspüren, ihre Vanna ist weit entfernt von der russischen Kinder-Nymphe, die sie in Kubricks "Eyes Wide Shut" darstellte. Ihre Figur wird spärlichste vernachlässigt und bleibt die ganze Zeit austauschbar, was sehr schade ist, so erscheint doch grade sie anfangs als die interessanteste Figur des ganzen Scripts.
Auch die Psychologie der Truck fahrende Bestie hinkt. Anders als bei Spielberg hat sie hier zwar einen Grund für die Verfolgungstour, als diabolischer Bösewicht kann sie jedoch nicht überzeugen, da sie einfach nicht brutal genug ist, besonders nicht nach der Tortur, die sie mit ihrem ersten Opfer anstellt, denn im Nachhinein erweist sich der Killer zwar als bösartig, aber dennoch als recht zahm, und dass anscheinend nur um die Mainstreampfade nicht zu verlassen.
Kritik gibt es genug an "Joyride", was jedoch eines nicht ändern kann. Der Film ist äußerst spannend und unterhält dank einer gehörigen Portion Ironie, auch wenn diese meistens an der Glaubwürdigkeit frißt. Kleine Hinweise an die potentiellen Opfer auf Straßentafeln und Zahns manchmal recht durchgeknallte, aber ideenreiche Reaktionen auf Situationen sorgen immer wieder für Erheiterung, intensiv in Szene gesetzte Verfolgungsjagden durch Maisfelder und abgelegene Straßen erweisen sich als Gänsehautgarantie. Fast schon ist man nach dem ebenso spannenden wie leider auch sinnentleerenden Showdown dazu geneigt dem Film seine Klischees zu verzeihen und ihn doch in die obere Liga zu loben, da vernichtet das tumbe Ende dann doch den guten Willen. "Joyride" ist ein gut gemachter und spannungsreicher Reißer, aber leider auch ein sehr konventioneller und arg konstruierter, der farblos bleibt, aber zu unterhalten weiß. Für Regisseur John Dahl ist der Film jedoch eher ein Rückschritt.

[srs]