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Nichts bereuen

(D, 2001)

19 ist schon ein Scheiß-Alter. Man neigt in dieser Phase zu absoluten Dummheiten, männliche Angehörige der Spezies Mensch tun diese Dummheiten meistens wegen weiblichen Angehörigen. Daniel (Daniel Brühl) ist da ein Paradebeispiel. Er hat grade die Schule abgeschloßen und steht vor der Frage: Was nun? Das bedeutet in diesem Fall allerdings weniger die quälende Ungewißheit was er nun mit seinem Leben anfangen soll, sondern viel eher wie er nun das Herz von Luca (Jessica Schwarz) erobern soll. In die ist der eigentlich gar nicht mal so zurückhaltende Jugendliche schon seit er 15 ist verschoßen. Und so steht er nun vor den Scherben seines jungen Lebens, noch zwei Tage, dann hat Luca, die in Daniel mehr ihren besten Freund sieht, für ein Jahr nach Amerika ab. Der Versuch ihr endlich das Liebesgeständnis zu machen endet jedoch in der absoluten Peinlichkeit, die ihn nicht nur nicht weiterbringt bei seiner großen Liebe, sondern ihn auch noch den verhaßten Zivijob bei der Kirche kostet. Luca düst ab und Daniel beginnt endlich sich neu umzusehen. In der jungen Diakonie-Krankenschwester Anna (Marie-Lou Sellem) findet er nicht nur einen neuen Boss, sondern vielleicht auch eine neue Liebe. Dumm nur, dass Anna ein ernstes Interesse an Daniel entwickelt während bei ihm eher die Hormone verrückt spielen. Als Luca überraschend bereits nach kurzer Zeit wieder auftaucht und Daniel ziemlich klare Avancen macht steht der Junge zwischen zwei Frauen. Diese Situation treibt ihn dazu eine Tankstelle zu überfallen, sich mit einem herzleidenden Patienten solange zu betrinken bis dieser Tod umfällt, sich mit seinem besten Kumpel Dennis (Denis Moschitto) zu prügeln und Anna endlich ins Bett zu kriegen, wobei er sie jedoch nur ausnutzt. Hin und her gerissen taumelt Daniel nun zwischen Kind und Erwachsen sein, zwischen Pflichtgefühl und Enttäuschung und erkennt dabei nicht nur, dass sein tristes Zuhause Wuppertal auch seine guten Seiten hat, sondern auch dass man das Leben besser nicht zu schwer nehmen sollte.

Regie-Debütant Benjamin Quabeck erzählt in seinem Film eine äußerst sympathische Geschichte über das Erwachsenwerden mit recht klar ausgerichteter Zielgruppe, die nämlich aus männlichen Jugendlichen rund um das Alter des Hauptprotagonisten besteht. Selbstverständlich wird er ein anderes Publikum finden als dass, welches sich mit dem 19jährigen Daniel wirklich identifizieren kann, denn welcher männliche Heranwachsende um die 19 will Daniel Brühl beim Leiden zusehen? So definiert sich "Nichts bereuen" doch schon vom Trailer her eher als Film für weibliche Wesen. Schade eigentlich, so wird manch einer ein Stück Lebensweisheit verpassen, dass niemals so tut als wäre es allgemein gültig. In Themenbereichen wie Erwachsen werden, erste Liebe, egal ob glücklich oder nicht, erste sexuelle Erfahrungen und "Warum überfalle ich eine Tankstelle?" bietet der Film hervorragende Identifzierungsmöglichkeiten, denn welcher halbwegs emotional veranlagte Jugendliche war nie in wenigstens einer ähnlichen Situation wie sich Daniel hier wiederfindet.
Einen schwerwiegenden Stillbruch begeht Quabeck jedoch, er will mehr aus seinem Film machen als wie er eigentlich ist. Aufgepeppt mit schicken Slow Motion-Einstellungen und anderen Kameratricks macht er den gleichen Fehler der vielen Debütanten in Hollywood auch passiert: er überfracht seinen Film mit solchen Kleinigkeiten und verfälscht ihn damit fast, Inszenierung und Story wollen manchmal nicht mehr so ganz zusammen passen. Ansonsten zeigt sich der Film jedoch in schönen Bildern und ist sich für eine längere, eigentlich ja langweilige Einstellung auf die Dächer von Wuppertal auch nicht zu schade.
Verlassen kann sich Quabeck auf seine Darsteller. Daniel Brühl zeigt in seiner ersten großen Kinorolle Starqualitäten und selbst Jessica Schwarz, ihres Zeichens VIVA-Moderatorin, kann überzeugen. Das Casting hat hier wunderbar gegriffen, die zwei ergänzen sich perfekt auf der Leinwand, die Nebendarsteller drängen sich da, mit Ausnahme von Marie-Lou Sellem, eher in den Hintergrund.
Was "Nichts bereuen" wirklich zu einem schönen, interessanten Hit macht sind die grotesken, aber äußerst liebenswerten Ideen. Wenn Daniel sich selber kreuzigt, wenn er einen Großvater sich zu Tode trinken läßt, wenn er meint mit dem Besen Fußball spielen zu müßen, dann zeigt der Film äußerst viel Charisma. Also, wer sich noch nicht zu alt fühlt und durchaus einen Hang zu recht neumodischem Kino hat kann sich hier bestens amüsieren.

[srs]