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Knowing

(Knowing; USA/UK, 2009)

*Diese Filmkritik enthält leichte Spoiler!*

Alex Proyas ist alles andere als ein typischer Hollywood-Regisseur. Geboren in Ägypten als Sohn griechischer Eltern wuchs er in Australien auf, interessierte sich früh für das Medium Film und studierte schließlich mit den heutigen Arthouse-Regisseurinnen Jane Campion und Jocelyn Moorhouse. Wie so mancher aus seiner Generation begann seine Karriere mit Music-Clips, unter anderem für Sting und Inxs, bis er schließlich mit „The Crow“ 1994 groß heraus kam, einem Film, der optisch und inszeniatorisch bestach – was jedoch neben der Tatsache, dass Hauptdarsteller Brandon Lee durch einen Unfall am Set – Platzpatronen waren mit echten verwechselt wurden und Lee wurde erschossen – zu Tode gekommen war, schnell verblasste. Proyas galt trotzdem als hoffnungsvolles Talent, was sich aber zukünftig viel Zeit für neue Projekte lassen sollte. Es folgte 1998 „Dark City“, ein weiterer unterschätzter apokalyptischer Film, der wie ein guter Wein erst noch etwas reifen musste und heute zwar immer noch als Geheimtipp gilt, dafür unumstritten als Meisterwerk gehandelt wird. Mit dem Will Smith-Vehikel „I, Robot“ konnte man befürchten, dass sich Proyas nun dem Hollywoodfilm verschreiben würde, dies hielt er jedoch über weite Strecken unter Kontrolle, denn auch „I, Robot“ war wie seine Vorgänger ein Film über eine düstere Zukunft, deren Probleme sich nicht einfach in seichten Holywood-Gewässern auflösten. Sein neues Werk „Knowing“ handelt von nichts anderem als dem Ende der Welt. Und A-Star Nicolas Cage spielt die Hauptrolle, ein Aushängeschild des typischen Hollywood-Kinos, der aber auch immer wieder zu Ausreißern in der Vergangenheit - „Wicker Man“, „The Weather Man“, „Lord of War“ oder „Adaptation“, nur um ein paar zu nennen – neigte. Muss man befürchten hier ein einseitiges, patriotistisches Weltenretterepos vorgesetzt zu bekommen? Das mit 50 Millionen Dollar dotierte Budget, das für einen Katastrophen-Sci-Fi-Film verdammt niedrig ist, spricht nicht grade dafür…

Es ist 1959, die amerikanische Welt ist in Ordnung. Eine Grundschule feiert Jahrestag und die Schüler sollen sich etwas Besonderes einfallen lasse, wie man diesen Tag feiern kann. Ausgerechnet die Idee der kleinen Lucinda, die eher die Außenseiterin der Klasse ist, immer schwarz gekleidet und traurig wirkend, wird aufgegriffen: eine Zeitkapsel mit Bildern der Kinder zum Thema wie sie sich die Zukunft vorstellen, soll vergraben werden. Und so malt jeder sein Bild, nur Lucinda nicht, die schreibt anscheinend ohne Sinn aneinandergereiht das Blatt mit Zahlen voll.
50 Jahre später wird die Kapsel geöffnet und Lucindas Zahlenbrief fällt in die Hände von Caleb Koestler (Chandler Canterbury), dem Sohn des Astrophysikers John Koestler (Nicolas Cage), der seit dem Unfalltod seiner Frau sein Leben nicht mehr in den Griff bekommt. Sie Beziehung zu seinem Sohn ist gestört, der Alkohol nach Anbruch der Dämmerung sein bester Freund. Mit seinen Eltern ist der Pfarrerssohn zerstritten, er glaubt an nichts mehr. Das Universum, das Leben, der Tod – all dies ist für ihn nur noch das groteske Zusammenspiel von Zufällen, Glücksfällen, Unglücksfällen. Das Weltgeschehen erscheint ihm ohne System und schon lange ohne Plan. In den Zahlen von Lucinda entdeckt er jedoch etwas. Daten, Koordinaten, Todesopfer. Das Mädchen scheint hellseherische Kräfte gehabt zu haben, hinter ihrem Brief verbirgt sich jede größere Katastrophe der letzten 50 Jahre – und der nächsten Wochen bis anscheinend zum endgültigen Aus für die gesamte Menschheit. Bis Koestler aber die ganzen Zusammenhänge durchschaut und auch weiß, wer die dunklen Männer sind, die seinen Sohn beobachten, müssen erst noch einige Unglücke geschehen…

Obwohl die Story und Figuren eher grob und oftmals unglaubwürdig wirken, gelingt es „Knowing“ dank einem hohen Grad an Spannung und Atmosphäre zu punkten. Und weil er nachdenklich ist. Es geht um Schicksal, um Glauben, um Erlösung, Hoffnung und den schmalen Grad zwischen Wissenschaft und Esoterik. Obwohl John Koestler ein Mann ist, der nicht weiter vom Glauben an Hellseher, Prophezeiung und Gott entfernt sein kann, muss er vor dem was sich vor ihm abspielt sehr schnell kapitulieren. Er beginnt zu glauben. Nicht an einen Gott oder den Himmel. Aber zumindest an ein System das sich Schicksal nennt – wodurch die Katastrophe schließlich seine persönliche Katharsis darstellt. Nun kann man dem Film, ähnlich wie beim Mel-Gibson-tritt-Aliens-in-den-Arsch-weil-Gott-ihm-sagt-wie-Vehikel „Signs“, eine äußerst plakative Religiosität unterstellen. Gerade dies geschieht aber nur an der Oberfläche, darunter sieht es ganz anders aus. Die Charaktere finden nicht zur Kirche zurück, schon alleine weil kein Gott sie rettet, sondern stattdessen Aliens als Boten der Apokalypse und einzige Hoffnungsträger auftauchen, die der Menschheit in ihrer bestehenden Struktur aber auch eine klare Absage erteilen: the Party is over. In dieser Aussage ist Proyas unglaublich konsequent und führt die Auswirkungen mit einer für ein Mainstreampublikum gewöhnungsbedürftigen Ruppigkeit vor. Deswegen stört es auch nicht, dass seine aufwendigen Effekte auch nur nach mittlerem Budget aussehen, vor allem das Entgleisen einer U-Bahn im Tunnel und die darauf folgende Zerstörung einer Untergrund-Station wirkt dermaßen billig, wie man es schon lange mehr in keinem Actionfilm nach 2000 mehr gesehen hat.

Am Ende jedoch orientiert sich Proyas an Steven Spielberg. Bei dem wünscht man sich auch so oft, dass die letzten 15 Minuten einfach nicht stattfinden würden. Nach einem sehr schweren und düsteren Finale muss er einen Epilog noch dranhängen und die Katastrophe vorführen, um dann aber auch noch mal fett auf die entstehende Hoffnung hinzuweisen – und am Ende mit der Darstellung des Paradieses doch noch Kitsch in den Film zu bringen. Weniger wäre hier mehr gewesen, zumindest die letzen 5 Minuten braucht kein Mensch, es hätte so viele gute Punkte zum Aussteigen gegeben. Das macht den Film nicht kaputt, gibt ihm aber einen guten Knacks mit auf den Weg. Zum nachdenken regt er jedoch trotzdem an, besonders unter dem Gesichtspunkt, dass die Menschheit innerhalb kürzester Zeit diesmal vor dem Aus steht. Keine Monate sind Zeit bis zum Meteoriteneinschlag, keine Zeit um einen neuen Planeten zu besiedeln, keine Zeit um sich eine Lösung einfallen zu lassen. Denn die Natur zeigt sich als unberechenbar, bevor die Mehrheit der Menschheit überhaupt verstanden hat was passiert, wird alles vorbei sein. Erscheint dies nicht als ein durchaus realistisches, beängstigendes Szenario? Seine übersinnlichen Phänomene im Mittelpunkt sorgen natürlich dafür, dass der Film keinen ernstzunehmenden Beitrag zur Debatte um den Menschen als Vernichter der Erde darstellen kann, aber er ist alles andere als ein leeres Genusskino der Verwüstung.

[srs]