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96 Hours

(Taken; F, 2008)

„Ich habe keine Ahnung wer Du bist. Ich weiß auch nicht was Du willst. Wenn Du auf ein Lösegeld aus bist, muss ich Dich enttäuschen: ich habe kein Geld. Was ich aber habe, sind ein paar ganz besonders ausgeprägte Fähigkeiten, die ich mir in einer langen Karriere in der Unterwelt zugelegt habe. Fähigkeiten, die mich für Leute wie Dich zu einem Albtraum machen. Wenn Du meine Tochter jetzt frei lässt, soll’s das gewesen sein. Ich werde nicht nach Dir suchen, ich werde Dich nicht verfolgen. Aber wenn nicht, dann werde ich nach Dir suchen und ich werde Dich finden. Und ich werde Dich töten.“ Mit diesen mehr als ernst gemeinten, an eine Bande von Kidnappern gerichteten Worten, beginnen für Bryan Mills, einen ehemaligen Ermittler im Staatsdienst, die längsten 96 Stunden seines Lebens – und die Jagd nach der skrupellosen Organisation, die seine Tochter Kim entführt hat. Mills hatte gerade erst seine Beamtenkarriere als – wie er es sah - „Verhinderer“ aufgegeben, dessen Aufgabe es war, schlimme Dinge zu verhindern, bevor sie passierten, um sich mehr um seine Tochter Kim kümmern zu können, die bei seiner Ex-Frau und deren neuem Mann lebt. Zum Geldverdienen hat er sich einigen ehemaligen Kollegen angeschlossen, die spezielle Security-Jobs wie den Personenschutz einer Pop-Diva übernehmen. Aber den größten Teil seiner Energie braucht er, um die Beziehung zu seiner Tochter Kim zu reaktivieren. Bryans Erziehungsmaximen werden strapaziert, als Kim ihn um Erlaubnis bittet, mit einer Freundin nach Paris reisen zu dürfen. Da er weiß, welche Gefahren in einem fremden Land auf eine Tochter lauern können, ist Bryans Antwort ein klares „Nein“. Aber Kims Enttäuschung lässt ihn mehr und mehr erweichen. Seine schlimmsten Befürchtungen werden wahr, als Kim und ihre Freundin Amanda kurz nach ihrer Ankunft am helllichten Tage aus ihrem Pariser Appartement entführt werden. Kurz bevor Kim von den unbekannten Angreifern verschleppt wird, gelingt es ihr, Bryan anzurufen, der sogleich fachmännisch beginnt, Puzzleteile zusammenzusetzen, die ihn in die Dunkelheit der Pariser Unterwelt und die feudalsten Villen der glitzernden Stadt führen. Er durchlebt Albträume, die alles übertreffen, was er bisher kannte – aber nichts und niemand wird ihn davon abhalten, seine Tochter zu retten.

Der französische Filmemacher Luc Besson ist bekannt durch seine knackigen Action- und Gangsterfilme geworden. Und auch „96 Hours“ schlägt wieder in die gleiche Kerbe. Dennoch muss sich der auch im Ausland äußerst populäre Franzose den Vorwurf gefallen lassen, dass er nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Das liegt vor allem daran, dass er einen harten, schnörkellosen und beinahe schon rücksichtslosen Rächerstreifen entwickelt und gefördert hat, der eine ähnliche bedrohliche Fiktion suggeriert, wie es damals schon Steven Spielberg mit „Der weiße Hai“ unfreiwillig getan hat. Denn wenn man dem Streifen glauben wollte, dann würden Europa und deren polizeibehördliche Apparate nur aus brutalen und kriminellen Elementen bestehen, denen man niemals trauen sollte. Stellt sich nur die Frage, ob jetzt viele amerikanische Eltern ihre Kinder nicht mehr alleine nach Europa reisen lassen in etwa so, wie bei „Der weiße Hai“, als damals viele Badestrände von den Besuchern aus Angst vor Haiattacken ignoriert wurden. Naja, vermutlich dürfte trotz hochkarätiger Besetzung „96 Hours“ nicht so erfolgreich werden wie „Der weiße Hai“. Um auf die Höhe der Zeit zurückzukommen, so muss sich der Streifen den Vorwurf gefallen lassen zwar realistischer als überfrachtete Actionstreifen wie „Der Transporter“ daher zu kommen, was aber nicht über die ermüdende Stringenz der Handlung hinwegzutäuschen vermag. Entgegen jeglicher aristotelischen Dramatik kämpft sich Bryan Mills, gekonnt dargestellt von Liam Neeson rücksichtslos durch die europäische Verbrecherwelt und erinnert dabei an Charles Bronson zu seinen besten Zeiten. Intelligente Storywendungen, Überraschungen mit Aha-Effekte, Humor an der passenden Stelle oder einfach nur kurze Ruhepausen, sucht man bie „96 Hours“ leider vergebens. Leider bleiben auch soziale Elemente wie Gnade und Moral auf der Strecke, so dass der Streifen auch keine Botschaft transportieren kann. Dennoch bietet der Film eine Menge an Unterhaltung und vor allem viel, viel Action. Und diese Action ist gekonnt umgesetzt; keine Wackelkamera oder zu schnell geschnittene Passagen. Fans alter Rächerfilme aus den siebziger Jahren dürften daher an „96 Hours“ ihre wahre Freude haben. Zu guter letzt stellt sich die Frage warum der Streifen für den deutschen Markt einen anderen englischsprachigen Titel erhalten hat? „96 Stunden“ wäre ja noch verständlich, aber den Film für Deutschland von „Taken“ in „96 Hours“ zu ändern ist einfach nur dämlich.

Für Freunde von Rächerfilmen aus den siebziger Jahren dürfte „96 Hours“ ein wahres El Dorado sein. Jedoch sollte man von dem Streifen auch keine intelligente Story mit Anspruch und Botschaft erwarten, denn das kann der Film trotz eines überzeugenden Liam Neeson nicht bieten.

[rk]