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John Rambo

(Rambo; USA/D, 2008)

Sie alle scheinen tot. Chuck Norris. Jean-Claude Van Damme. Steven Seagal. Arnold Schwarzenegger. Sylvester Stallone. Die Action-Helden der 80er Jahre, wahre Männer, die noch in der Lage waren einen Krieg im Alleingang zu gewinnen. In Wirklichkeit ist es aber so, dass keiner von ihnen tot ist. Sie haben eher aufgegeben. Norris, Seagal, Van Damme dümpeln in den Niederungen direkt für den Home Entertainmentmarkt entwickelter C-Produktionen – vornehmlich gedreht in Osteuropa – herum, während der ungekrönte König Arnold jetzt lieber die Schlachten außerhalb der Leinwand als Governator schlägt. Nur einer rührt sich, Sly Stallone, der bald seinen 62. Geburtstag feiert. Als Rocky kämpfte er sich Mitte der 70er Jahre nach oben, galt als der neue Marlon Brando, war ein heute kaum reziepierter – wahrscheinlich gerade wegen der Sorte von Karriere, die er schließlich machte – Bestandteil des New Hollywood. Auch die Erschaffung seiner zweiten Leinwandikone John Rambo in „First Blood“ 1982 zeigte ihn noch als Charakterdarsteller, denn damals war die Figur ein ernstzunehmender Charakter in einem düsteren Antikriegsfilm, der als Actionthriller getarnt war, eigentlich sogar ein mutiger „War at Home“-Film über die Post-Vietnam-Zeit und wie Amerika mit seinen „Helden“ umging. Zur brachialen und eindimensionalen Killermaschine wurde John Rambo erst danach als Stallone schon beschloßen hatte, dass er der nächste große Actionheld sein wird.

Jetzt, 20 Jahre nach seinen Einsätzen in „Rambo II“ und „Rambo III“ kommt er zurück. Viele glaubten Stallones Karriere sei vorbei, so galt auch er mit dem Beginn des neuen Medienzeitalters, in dem die DVD immer mehr das Kino ersetzt, nicht mehr als angesagt und spielte in lauen Trillern mit, die selbst für eine große DVD-Auswertung zu schlecht waren. Ausflüge ins Independentgenre brachten ihm zwar teilweise wohlwollende Kritiken, aber kein Publikum ein. Stallones Stern schien untergegangen zu sein. Jahre lang kämpfte er für einen sechsten Teil seiner „Rocky“-Saga, nachdem der fünfte Film der Serie weit – sowohl künstlerisch wie kommerziell – hinter den Erwartungen zurück geblieben war. Und als es dann letztes jahr soweit war dachten viele hämisch, dass dies Stallones Tiefpunkt wird: ein 60 Jahre alter Boxer, den doch eigentlich keiner sehen will. Dass „Rocky Balboa“ dann ein Achtungserfolg wurde, die Saga zu einem wohlwollenden Ende brachte und Stallone neben seinen schauspielerischen Qualitäten auch inszeniatorische bescheinigte, war für ihn ein ungeahnter Erfolg. Etzt übertreibt er aber vielleicht doch etwas, denn auch die gequälte Seele John Rambos will er vor wie hinter der Kamera ihre Heilung verschaffen. Dabei raus gekommen ist ein Film der alles andere als großartig ist, aber trotzdem überrascht. Er ist pures Retro-Kino. Schaut man einen Film, so kann man an seinen Eigenschaften eigentlich, spfern man über Seherfahrung verfügt, problemlos den Produktionszeitraum erkennen. „John Rambo“ sieht aber nicht aus wie ein Film des 21. Jahrhunderts, sondern ist pures 80er Jahre Kino mit all seinen Banalitäten und Vorzügen. Die Story ist einfach: Rambo lebt in Thailand und verdient sich als Schlangenjäger, als eine Gruppe amerikanischer Missionare ihn aufsuchen und ihn bitten nach Birma zu begeleiten, wo ein ungeheuerlicher Völkermord im Gange ist. Rambo will nicht, wird aber von der schönen Sarah (Julie Benz) doch noch überredet, denn Rambo mag zwar ein eindimensionaller lotz sein, trotzdem ist er aber ein Mann. Die Flußfahrt endet bereits böse, als birmesische Piraten das kleine Boot überfallen und Rambo sich gezwungen sieht alle zu masakrieren. Die Missionare kritisieren ihn natürlich dafür, sie waren zwar kurz davor ihr eigenes Leben zu verlieren, aber es hätte doch sicher auch eine friedliche Lösung gegeben. Erst später, wenn auch sie gezwungen sind um zu töten um die eigene Haut zu retten, werden sie ihre Meinung ändern. Rambo läd seine Passagiere schließlich ab, die wollen in einem Dorf Kranke verpflegen und Gottes Wort verbreiten. Dazu bekommen sie jedoch kaum Gelegenheit, denn die Soldaten greifen an, schlachten die Bevölkerung nieder und verschleppen die Amerikaner. Rambo geht daraufhin erneut auf ein Himmelfahrtskommando, unterstützt von einer Gruppe Söldner, die sich als die härteste Truppe der Welt begreift aber selber keine Ahnung hat, dass sie echtes Grauen noch nicht kennen.

Ab diesem Punkt herrscht Action, Action, Action. Rambo schießt sich mit Gewehren, Pistolen, Messern, Pfeil und Bogen und allem was er so findet den Weg frei und sorgt damit dafür, dass sie die Leinwand immer roter anfühlt. In der deutschen Version sind die Gewaltspitzen entfernt wurden, allerdings konnte man vieles bereits im ersten Trailer im Internet sehen, dort durfte Rambo noch Kehlen herausreißen, Gedärme in Großaufnahme spritzen lassen und Köpfe abschlagen. Um eine ungeschnitte Version in Deutschland später erscheint ist ungewiß, aber man kann hier ohne Angst zum Auslands-Import greifen, das Argument „ich versteh die Dialoge nicht“ zählt hier nicht wirklich. Kein Rambo-Film war auch nur annähernd so brutal wie dieser, trotzdem ist er aber natürlich nicht, wie im Vorfeld vielfach betitelt, der „härteste Film aller Zeiten“. Gerade die Kriegsfilmwelle der späten 90er Jahre nach „Saving Private Ryan“ brachte ähnliche Gewaltexzesse zu stande, hatte jedoch einen anderen Kontext. Die Message bei „John Rambo“ ist wiedererwartend reine Propaganda. Kieg ist zwar schlecht, aber er muss halt sein. Und wenn er schon sein muss, dann muss man auch hart durchgreifen. Wie Chuck Norris in „Missing in Action II“ wird der „Feind“ als ein Nicht-Mensch gezeichnet. Die birmesischen Soldaten sind durch die Bank weg gefühllose Schlächter, Vergewaltiger, Sadisten, Pädophile. Darum ist dann – wie im 80er Jahre-Kino – eine bloße Schlachteorgie ohne Sinn und Verstand auch in Ordnung, schließlich muss der Abschaum, den das Publikum auch hasst, weg von Gottes Erde.

Stallones Film haftet vom moralischen Standpunkt also durchaus etwas ekliges an. Da er aber assieht wie ein 80er Jahre-Actionpic kann man ihn nicht wirklich übel nehmen, dass er sich auch so verhält. Die Hoffnung einen vielseitigen „Rambo“-Film zu bekommen scheitert daran natürlich, zumal auch der Versuch einer Charakterzeichnung des alten John Rambo genauso versackt wie in den letzten beiden Teilen. Im Ansatz bleibt über, dass Rambo glaubt sich selber endlich verstanden zu haben, nicht als jemand, der sich zum töten gezwungen sieht, sondern als jemanden, der gerne tötet, für sich tötet, also selber ein Schlächter ist. Würde dieser Ansatz konsequent durchgezogen werden, so wäre es natürlich eine interessante Note. Doch klischeehafter Weise erkennt der Film am Ende seinen Fehler – und kann endlich seinen Frieden mit sich und der Welt machen. Warum er aber dazu sein halbes Leben gebraucht hat bleibt unklar. Auch Rambos romantische Absichten – diese Wortkonstellation will nicht so recht zusammen passen, also hätte man es auch ganz lassen können – gegenüber der Missionarin Sarah werden nicht herausgearbeitet, außer dass er recht traurig drein schaut, wenn er das Mädchen am Ende nicht bekommt.

„John Rambo“ ist ein Film mit vielen Negativpunkten, die Story ist blöd, Charaktere wieder nur Schablonen, Klischees gibts zu hauf und die Message fragwürdig. Trotzdem hat Stallone dann auch wieder alles richtig gemacht, denn anders kann es im 80er-Jahre-Hau drauf-Actionmovie nicht sein, als diese Elemente braucht der Film um seine Retro-Funktion wirkungsvoll beizubehalten. Die einzige andere Möglichkeit Rambo wieder auf die leinwand los zu lassen wäre ein ironisch äußerst gebrochener Film gewesen, - so wie z.B. James Bond in „Goldeneye“ in die Post-Kalter Krieg-Zeit gebracht wurde - was aber bei einer Figur wie dieser keiner wirklich sehen will, dafür ist sie dann doch nicht stark genug. „John Rambo“ ist ein extrem straighter Actionfilm, in dem die Übertreibungen sich in Grenzen halten und der nie langweilt. Wer von Stallones Agilität in „Rocky Balboa“ beeindruckt war, der wird hier aus dem Staunen nicht mehr rauskommen, auch wenn die Verwendung von Anabolika natürlich mehr als deutlich ist. Anders als in „Rambo 2 + 3“ ist Stallones Rambo hier kein Vehikel eitler Selbstdarstellung. Es gibt keine markigen One-liner, die damals eigentlich schon peinlich waren. Der neue Rambo ist alt, verbraucht, eingefallen, freudlos, kalt und nicht mehr an Rebellion interessiert. Er hat sich selber als Ausgestoßenen akzeptiert und dies bringt Stallone recht ansehnlich rüber.

Als Fazit bleibt, dass Stallones Film ein Kino für Fans ist. Jugendliche Kinogänger von heute werden sich an den Gewaltexzessen erfreuen, die Figur John Rambo bleibt ihnen davon aber noch lange nicht in der Erinnerung wie der Generation zuvor. Auch wenn er die Peinlichkeiten seiner Vorgänger umgeht, so bleibt es trotzdem fraglich um der vierte Teil wirklich besser ist, zumal er in seiner Gesamtheit auch nur ein Update des zweiten Teils mit aufwenidgerer Action und weniger Längen ist. „John Rambo“ ist unterhaltsames Kino, dass seinen Fans das geben will, was es sehen will. Nach den Aussagen von Stallone, dass er sich heute für Plattheit der Vorgänger schähmt und er einen Film machen will, der alle überrascht, enttäuscht der Film dann aber die, die danach die Hoffnung auf einen Rambo-Film hatten, der genug Mut hat sich quer gegenüber den Kassenmagneten „Rambo II“ und „Rambo III“ zu verhalten. Dadurch ist „John Rambo“ natürlich die verschenkte Möglichkeit auf ein Risiko, dass Stallone in dieser phase seines Lebens ruhig hätte wagen können, denn seine Karriere ist hiernach noch lange nicht gerettet, dafür muss er noch einiges tun. Und ob es seiner Reputation als Schauspieler, gerade nach den Lobeshymnen nach „Rocky Balboa“ wirklich gut tut John Rambo kaum facettenreicher anzulegen wie bisher erscheint ebenfalls fraglich.

[srs]