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Shine a Light

(Shine a Light; USA, 2008)

Was tue ich als Starregisseur wenn ich mal kurzfristig nichts zu tun habe? Ich suche mir einen Stoff, der sich in kürzester Zeit auf Film bringen läßt. Das gilt auch für den spätestens seit seinem endlichen Oscargewinn für „The Departed“ 2006 von den Medien geliebten Martin Scorsese. Der 65jährige New Hollywood-Pioneer ist, wie er in der Vergangenheit auch schon bewies, ein großer Musikfan und auch Dokumentarfilmer. Bereits 1978 begleitete er „The Band“ bei einem Konzert und machte darauß die Konzertdoku „The Last Waltz“. Eher unbemerkt blieb fast drei Dekaden später seine Bio-Doku über Bob Dylan, in Deutschland erschien der Film z.B. nur als – wenn auch hervorragend ausgestattete – DVD, und das auch nur für den Special Interest-Bereich. Scorseses neues Werk heißt „Shine a Light“ und dürfte wohl, nachdem er der erste Dokumentarfilm ist, der die Berlinale je eröffnete, auch in den Kinos zumindest ein wenig scheinen.

Martin Scorsese begleitet die Rolling Stones bei einem auf zwei Tage verteilten Auftritt im New Yorker Beacon Theatre zu Ehren des sechzigsten Geburtstages von Ex-Präsident Bill Clinton, bei dem die älteste (und damit automatisch größte, auch wenn es ihnen nicht mehr gelingt die Stadien zu füllen) Rock-Band der Welt noch einmal so richtig zeigt, was in ihr steckt. Verknüpft werden edel gefilmte (Scorsese ließ seine 16 Kameras von einigen der besten Kameramännern der Welt bedienen) und großartig geschnittene Konzertaufnahmen mit alten Interviews der Stones-Mitglieder, vor allem zum Thema, ob sie sich vorstellen können noch im hohen Alter über die Bühne zu springen. Man sieht den jungen mick Jagger zu Beginn der Karriere, der von sich gibt, dass sie schon länger oben sind, als er es jemals erwartet hätte, und dass sie doch noch mindestens ein Jahr auch dort bleiben dürften. Fast 40 Jahre später sind die Stones immer noch on top. Einbetten tut Scorsese seinen Film in eine kleine, fraglos gestellte Rahmenhandlung: er als der Regisseur bereitet den Bühnenauftritt vor, positioniert Kameras von New York aus, während Jagger das selbe in London völlig entgegengesetzt tut. Erstmals inszeniert sich Scorsese damit auch selber in einer grade für Cineasten herlich selbstironischen Art. Für witzige Momente sorgt die Ankunft von Bill und Hillary und das Treffen von Clintons Schwiermutter mit den Stones, die die old Lady herzlich begrüßen. Auch hier zeigt sich die Jugendlichkeit der Stones, obwohl sie sich in der selben Altersklasse bewegen sehen sie hier eindeutig in der Position des Jüngeren.

Scorseses Film ist kein Biopic, es ist eine Hommage, sowohl an die Stones wie auch ans Altern an sich. Es geht darum die Magie dieser band einzufangen, die dafür gesorgt hat, dass die Formation trotz unendlicher Skandale, Gerüchte und Pannen nicht zerbrochen ist. Wenn Keith Richards die Gitarre klingen läßt und Mick Jagger auf der Bühne herumspringt, als wäre er kaum älter als Zwanzig, wenn junge schöne Mädchen in den ersten drei Reihen johlend stehen und damit ihr Fantum beweisen, dann wird das ungebrochene Charisma dieser Band bewußt. Der Sound tut sein übriges. Eine brilliante Tonabmischung sorgt dafür, dass der Klang besser ist als wenn man die Stones live hören würde – was den Einsatz des Films fast schon eher zum Einsatz in Großraumdiscos als in Kinos prädestiniert, denn „Shine a Light“ ist ein Event wie ein gutes Rockkonzert. So sollte man ihn auch verstehen, denn als Dokumentation bringt er außer der angesprochenen Hommage nichts hervor. Er erzählt keine wirkliche Geschichte, er setzt vorraus, dass man das Phänomen Rolling Stones kennt. In der Seele dieses Films wohnt keine Schwere, er will leicht sein, er will den Fans gefallen. Dieses Ziel erreicht er auch problemlos. Inszeniatorisch ist der Film auf höchstem Niveau, erzähltechnisch aber eher eine leichte Fingerübung. Das ist natürlich nicht schlimm, denn mehr will Scorsese ja nicht, aber der Wiederanschauungswert liegt in den Konzertsequenzen. Mag man die Musik nicht, dann muss man auch „Shine a Light“ nicht schauen. Es geht um die Inszenierung der Gruppe an sich, nicht um eine Aussage.

[srs]